Unternehmensnachfolge – Chance und Risiko zugleich
Die Gestaltung der Unternehmensnachfolge gehört zu den wahrscheinlich größten Herausforderungen für mittelständische Betriebe in Hotellerie und Gastronomie.
Bundesweit werden bis 2015 rund 75.000 Unternehmensübergaben allein in Hotellerie und Gastronomie anstehen. In der gewerblichen Wirtschaft in M-V geht man von ca. 7.000 Nachfolgen in den nächsten 5 Jahren aus, 600 davon im Gastgewerbe. In vielen Unternehmen steht die Übergabe also kurz bevor. Oft klappt die Übergabe des Staffelstabs reibungslos. Man schätzt, dass aber in ca. 50 % der Fälle eine intensivere Beratung und professionelle Begleitung der Nachfolge dringend notwendig ist. Hierfür wurde die Koordinierungsstelle Unternehmensnachfolge „Brücke MV“, der DEHOGA MV ist daran beteiligt, ins Leben gerufen. Beratung und Betreuung der Übergabeprozesse wird hier mittels ausgewählter Berater gewährleistet. Übergabewillige und nachfolgesuchende Interessenten können sich melden. Passen Angebot und Nachfrage zusammen, wird die Nachfolge vom Erstgespräch, über die Beratung und die Umsetzung der Beratungsvorschläge bis hin zur Kreditverhandlung bei der Hausbank oder der Bürgschaftsbank MV durch die Berater und die „Brücke MV“ begleitet. Ziel ist es, den Bestand an Unternehmen am Markt nebst Beschäftigungspotentialen zu sichern und negative Strukturveränderungen von der Branche abzuwenden. Das Gastgewerbe steht für eine besondere Art von Service, Atmosphäre, Identifikation mit dem Betrieb und soziale Verantwortung. Deshalb ist eine für beide Seiten tragbare Nachfolgeregelung besonders wichtig um eben jene negative Strukturveränderungen zu verhindern. Welche klassischen Fallstrike es gibt, was es zu beachten gilt und wo die Chancen liegen wurde anlässlich eines regionalen Workshops „Unternehmensnachfolge im Gastgewerbe“ am 25. März auf der Insel Rügen besprochen. Matthias Dettmann und Manfred Hartz stellten das Projekt „Brücke MV“ und die Mitwirkung des DEHOGA MV vor. Anschließend gaben Experten des Bergener Regionalbüros ECOVIS Grieger Mallison Antwort zu Fragen von erbrechtlichen und steuerlichen Aspekten im Zuge des Unternehmensübergangs. Übergaben im Rahmen der vorweggenommen Erbfolge, Übergabe im Rahmen der Erbfolge mit Hinweisen zur Absicherung der Übergeber und Unternehmensverkauf mit Gestaltungsmöglichkeiten von Unternehmenskaufverträgen waren Punkte auf der Tagesordnung. Auch wurden Fragen der Finanzierung von Unternehmensnachfolgen thematisiert. Hierbei ging es vor allem um mögliche Finanzierungsvarianten und die Einbindung von Zinsvergünstigungen, Förderungen und Bürgschaften. Eins hat die Veranstaltung gezeigt, eine frühzeitige Vorbereitung auf den Führungswechsel ist unerlässlich, nicht zuletzt deswegen, weil ein erfolgreicher Übergang eine Reihe von Aufgaben parat hält, die sowohl für den Inhaber als auch dem zukünftigen Nachfolger eine große Herausforderung darstellen. Hinzu kommt, dass mit der Einführung von Basel II die strategische unternehmerische Entwicklung und deren Darstellung eine immer größere Rolle bei der Kreditvergabe spielen. Unternehmensnachfolge ist eine strategische und langfristige Aufgabe und Chance und Risiko zugleich.
Matthias Dettmann
